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Nach vielen Ausflügen im Westen und im Norden der Insel wollen wir uns heute wieder dem südlichen Muttland zuwenden. Das Ziel unseres Streifzuges ist dieses Mal Darsband. Es befindet sich nördlich von Putbus und ist entweder über die Bergerstraße bzw. die ehemalige Luisenstraße (Anm.: ...worauf später noch einmal eingegangen wird) oder über die Chausseestraße Bergen-Putbus zu erreichen. 


Wir wollen die letztere Möglichkeit nutzen. Vorbei geht es zunächst an der alten Wüstung von Grebshagen (Anm; ...rechter Hand) bis zu einem Punkt, wo die alte Plattenstraße nach links führt. Hier an dieser Weggabelung geht auch ein Weg nach rechts ab, wo man zum Großen Holz vom Pastitzer Forst kommt. Diesen wollen wir zunächst für einen kleinen Abstecher nutzen. Denn am Waldrand, rechts von der sehr alten Zuwegung in Richtung Bergen, befindet sich die sogenannte "Darsband-Eiche". Sie soll eine der letzten Starkeichen der Insel sein und gilt als Naturdenkmal.


Der Rückweg auf den Plattenweg führt uns nun geradewegs in Richtung Süden. Schon nach kurzer Zeit auf dem Plattenweg geht nun rechts eine kurze Zuwegung mit einem Kopfsteinpflaster in den Ort Darsband. 

Der ehemalige Weiler Darsband, fand im Jahre 1318 als "Darseband" im Pommerschen Urkundenbuch seine Ersterwähnung. Später wurde der Ort auch als "Darsbandt" dokumentiert. Doch die Spuren der Vergangenheit reichen wohl viel weiter zurück, denn hier wurden sogar vorgeschichtliche Scherben, Feuersteinabschläge sowie eine Kollektion spätslawische Keramik gefunden.

Mit Darsband eng verbunden ist übrigens die Geschichte der Familie Stogenew, die auch Stoveneve oder Stogeneve geschrieben wurde. Julius v. Bohlen bezeichnete sie einst als altes Vasallen-Geschlecht des Hauses Putbus. Auch weitere Überlieferungen lassen auf eine alte wendische Familie schließen. Bereits im Jahre 1307 wurde die Familie "Stogenew" demnach in einer Urkunde des Ritters Pridbor von Vilmenitz erwähnt. 

Der Hof Darsband hat sich offensichtlich sehr lange in dem Besitz der Familie gehalten. 1532 soll es sich beim Hof um eine Kate mit zwei Hufen Land gehandelt haben. So lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts Bertold v. Stogenew in Darsband (1556). Er verpfändete 1568 es seinem Sohne Vollert. Dieser starb - laut v. Bohlen - im September des Jahres 1590. Lehnsherr Freiherr Ludwig zu Putbus, der Darsband in Pfandbesitz genommen hatte, gab es dann in die Hände von Woldemar Stogenew. Allerdings konnte auch er die damit verbundenen Verpflichtungen nicht erfüllen, so dass das Haus Putbus wahrscheinlich das Gut eine Zeit lang selbst bewirtschaftete. 

Die Familie Stogenew soll - lt. den "Martikeln und Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft" aus dem Jahre 1863 - 1625 - ausgestorben sein. Übrigens führt Grümbke in seinen "Gesammelten Nachrichten zur Geschichte des ehemaligen Cisterzienser Klosters" Gisela, die Tochter von Bartold von Stogene, als eine von mehreren Damen an, die im Kolster Bergen nachweislich (1573-1578) waren.

Mit Darsband verbindet sich auch ein Stückchen der Rügenschen Heimatgeschichte: So berichtet Dr. Rudolf Beier in Bezug auf die vorgeschichtlichen Altertümer des Stralsunder "Provinzial-Museums" von einem Schwert-Fund im Darsbander Torfmoor. Ob es sich dabei um das kupferne Schwert handelt, welches einst Teil der Dekoration im zweiten Geschoss von Schloss Putbus war, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Aber noch etwas ist aus der Darsbander Ortsgeschichte interessant: Ludwig Arndt, der Großvater des Rüganers Ernst Moritz Arndt soll in Darsband noch leibeigener Schäfer auf dem damals gräflichen Gute Darsband gewesen und dort auch am 24.05.1758 gestorben sein. 

Grümbke, den seine Streifzüge - als "Indigena" - über das Rügenland auch bis Silvitz führten, gibt zudem an, dass ihm dort der Weg über Vierkenhoff nach Darsband gewiesen wurde. Er schreibt später in seinem 1805 erschienen Buch:

"Darsband, ein kleines Gehöft nahe an Putbus und der Wohnsitz des gräflichen Secretairs, liegt hart am Fuße des Putbusser Tannenberges. Diesen Berg hatte ich schon aus so vielen Gesichtspunkten gesehen, dass ich ihn unmöglich unerstiegen lassen konnte..."

(Anm.; Bild oben - der Tannenberg, Bild unten - der Blick in Richtung Darsband)

Aus den Schilderungen wird deutlich, dass Darsband zu jener Zeit den Hof selbst bezeichnete. Daneben gab es jedoch noch das Dorf Darsband, welches aus ein paar Häusern an der einstigen Luisenstraße, der heutigen August-Bebel-Straße, sowie Häusern an der Bergerstraße bestand. Da der Weg über Darsband(!) und Neklade nach Bergen führte, heißt auch die von der heutigen Landstraße in Richtung Darsband führende Straße "Bergerstraße". Die spätere Bergerlandstraße kam erst mit dem Chausseebau in Richtung Bergen (s. dazu auch den Beitrag zu Dolgemost) zustande. 

Unterstrichen wird dies auch durch Grümbke, denn: Nach dem Besteigen des Tannenberges erklärte er, dass es nunmehr nach Putbus ginge. Mit Putbus meinte er zu jener Zeit das etwas über 1.000 Meter entfernte "herrschaftliche Schloß". Der Ort selbst entstand erst Jahre nach dem Streifzug Grümbkes an der Landstraße von Stralsund nach Mönchgut mit dem Bau der "Völschowschen Brauerei" ab 1808. Sie war das erste Gebäude des 1810 gegründeten Ortes Putbus.

1807, also kurz nach der Veröffentlichung des Buches von Grümbke und noch bevor der Ort Putbus begründete wurde, fiel auch Rügen in den Blick der Großmächte. Frankreich, welches unter Napoleon gegen Schweden im Krieg stand, musste ein Teil seiner Truppen nach Hamburg verlegen, weshalb die Hessen deren Stellung auf der Insel Rügen einnehmen sollten. So kam es, dass gleich mehrere Brigaden von Stralsund nach Altefähr übergesetzt wurden. Nachdem die Eskadron zunächst Gothemitz, Sellentin und Bantow erreichte, erfolgte am 21. September eine Verlegung nach Darsband und zu der Ziegelei Grebshagen (Anm.: ...die bereits eingangs erwähnte Wüstung) - beide nördlich von Putbus gelegen. Die Schweden hatten ihre Hauptstreitmacht zu jener Zeit auf Mönchgut. Allerdings wurden die Hessen bereits einen guten Monat später wieder abgezogen.  

Von Paul Lehmann (1850-1930) ist überliefert, dass Mitte des 19. Jahrhunderts sein Vater Anton Lehmann vom Fürsten Putbus das Gut Darsband pachtete. Nach dem Tode des Vaters am 31. Dezember 1869 pachtete seine Mutter Friederike Lehmann, geb. Hecht, das Gut Darsband erneut. Paul Lehmann, der am 25.04.1850 in Darsband geboren wurde, war von 1890 - 1913 Direktor des Stettiner Schiller-Realgymnasiums, lehrte bis 1930 Privatdozent an der Universität in Leipzig und verfasste u. a. "Ganz olle Kamellen ut Ithaka". Aus dem Amtsblatt der Preußischen Regierung von 1872 ist bekannt, dass das Gut später von einem Herrn Martens gepachtet worden war. Zu dieser Zeit war das Gut Darsband bereits lange Zeit Teil des Putbusser Familien-Fideicommiss.

Da die vorgenannten Pächter zu bestimmten Diensten dem Haus Putbus verpflichtet war, kam es auch dazu, dass ein gewisser Freiherr - ein alter, bewährter Kutscher des Gutes Darsband - den Fürsten zu Bismarck bei seinem Aufenthalt in Putbus zu fahren hatte. Seine Erscheinung als "Darsbander Original" fand sogar mit einer Episode Eingang in dem 1909 erschienen "Bismarck-Buch".


In dem gerade erschienen Rügen-Buch von Sabine Bock ist auch Darsband neben Schlössern, Kirchen und anderen Gutshäusern ein Thema: 1892 - so die Denkmalpflegerin und Historikerin - ist als Pächter von Darsband Oscar Gaertner belegt. Dann von 1896 bis 1926 Rudolf Ewert. Zu jener Zeit umfasste die Bewirtschaftung 178 ha Acker und 13 ha Weide. Ausgewiesen wurde Darsband als "Rittergut mit Grebshagen". Später verpachtete das Haus Putbus das Gut Darsband an den Landwirt und Agrarwissenschaftler Franz Christian Thormann, der über Jahre in Mexiko Verwalter von Großbetrieben war. Er sollte auch nach der Enteignung des Gutes und seinem Weggang von der Insel noch nennenswertes leisten: Mit seiner Anbautechnik, dem "System Thormann", erzielte er beim Anbau von Weizen als Monokultur sehr hohe Erträge. 


Das spätbarocke Gutshaus, welches sich rechts des bereits erwähnten Kopfsteinpflasterweges von Darsband befand, ist heute leider nur noch "in Resten" zu "bewundern". Das Haus mit seiner verputzten Backsteinfassade und einem Mansarddach wurde zunächst nach dem Krieg neu bezogen, aber schon in den 1960er Jahren wieder freigezogen. So fristete es sein Dasein bis es schließlich nach der Jahrtausendwende in sich zusammenbrach (Anm.: s. Foto oben)...


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